Prof. Dr. Klavdia Smola (Dresden): Wiedererfindung der jüdischen Tradition in der spätsowjetischen Exodus-Literatur (Gastvortrag)
Wie wurde die jüdische Tradition in der russischsprachigen Literatur nach einer langen Phase der Assimilation, Shoah und Jahrzehnten des Kommunismus neu erfunden?
Der Prozess dieser Neuerfindung begann in der Gegenkultur jüdischer Dissident:innen inmitten des spätsowjetischen Undergrounds der 1960er- und 1970er-Jahre. Von da an wandten sich Literaten den Traditionen jüdischen Schreibens zu – vom biblischen Judentum bis zu den frühen sowjetischen (anti-)zionistischen Romanen. Dabei entdeckten Schriftsteller:innen in den Milieus der _otkazniki_ unter anderem solche Gattungen wie die Satire der Haskala, den chassidischen Midrasch und
jiddische Reiseberichte für sich. In ihrem Vortrag stellt Prof. Klavdia Smola die zentralen Themen ihres Buches „Wiedererfindung der Tradition. Russisch-jüdische Literatur der Gegenwart“ (2019) vor. Sie zeigt, wie die literarische Rückkehr spätsowjetischer Jüdinnen und Juden zu ihren Wurzeln im Laufe des Kampfes um Alija (Repatriierung in Israel) eine Alternative zum sozialistisch-realistischen Kanon darstellte und eine besondere Art von Multikulturalität entwickelte.
Zeit & Ort
29.10.2026 | 16:15
FU Berlin, Fabeckstr. 23-25 (Holzlaube), Raum 0.2051
Weitere Informationen
Ohne eine Anmeldung bei Doris Maja Krüger (mkrueger@europa-uni.de) ist eine Teilnahme am Kolloquium nicht möglich.
