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Internationale Tagung: Das Geschehene bezeugen. Holocaust-Zeugnisse und die Zukunft des (digitalen) Erinnerns. 20 Jahre Visual History Archive an der Freien Universität Berlin

02.12.2026 - 03.12.2026

Am 2. und 3. Dezember 2026 laden die  Digitalen Interview-Sammlungen an der Freien Universität Berlin und das Projekt VOICES am Selma Stern Zentrum zu einer internationalen Konferenz, die das 20-jährige Jubiläum des Zugangs zum Visual History Archive (VHA) der USC Shoah Foundation würdigt. Die Tagung wird die Bedeutung dieses besonderen Archivs und seiner Quellen für die Auseinandersetzung mit den nationalsozialistischen Verbrechen in Forschung, Lehre und historisch-politischer Bildung hervorheben und zugleich die Errungenschaften und Entwicklungen der vergangenen zwei Jahrzehnte in diesem Feld Revue passieren lassen.

Zudem soll die Tagung die aktuelle Phase tiefgreifender technologischer Transformation, die sich zeitlich mit dem Ende der Zeitzeugen*innenschaft des Nationalsozialismus überschneidet, reflektieren. Dieser Wandel stellt die Holocaustforschung, -bildung und -erinnerung vor komplexe strategische wie auch ethische Herausforderungen. Wie wird damit umgegangen, dass Zeug*innen nur noch in Ausnahmefällen persönlich über ihre Erfahrungen berichten können? Welche Bedeutung kommt den videografierten Erinnerungsberichten in diesem Zusammenhang zu? Und wie sind neue digitale Formate zu bewerten, wie interaktive Zeugnisse, die dialogische Begegnungen mit Zeitzeug*innen simulieren?

Die Dynamiken des gegenwärtigen KI-Wandels verschärfen diese Herausforderungen. Einerseits erfordern KI-generierte Inhalte eine präzisierte Reflexion über Authentizität, Quellenkritik und digitale Provenienz. Andererseits entstehen im Feld der Digital Humanities innovative Analysemethoden, die eine automatisierte Erschließung und Auswertung umfangreicher Interviewkorpora erlauben. Auf diese Weise lassen sich Themen, narrative Strukturen und erinnerungskulturelle Dynamiken in einer zuvor nicht erreichbaren Breite und Detailliertheit untersuchen. Unabdingbar bleibt jedoch eine kritische Auseinandersetzung mit den epistemologischen Implikationen algorithmischer Verfahren, die historische Zeugnisse modellieren, filtern und gewichten und damit die Wahrnehmung von Erinnerung und Geschichte mitgestalten.

1. Historische Forschung und erfahrungsgeschichtliches Wissen
Ein Schwerpunkt der Tagung wird auf der Bedeutung von Testimonies für die Holocaust- und NS-Forschung liegen. An konkreten Fallbeispielen werden die Potenziale, Herausforderungen und Grenzen der Nutzung von Interviews als historische Quellen diskutiert.

2. Lernen mit Interviews: Vermittlungspraktiken in der historisch-politischen Bildung
Ein weiterer Fokus wird auf der Einbindung von Überlebenden-Interviews in die schulische und außerschulische historisch-politische Bildung sowie auf der Entwicklung digitaler Lernmaterialien und interaktiver Bildungsangebote gelegt. Dabei stehen aktuelle Fragestellungen aus der pädagogischen Praxis im Mittelpunkt: Mit welchen Erwartungen begegnen Lehrende und Jugendliche (interaktiven) Interviews? Wie wirken sich veränderte Mediengewohnheiten und Rezeptionsbedingungen auf die historisch-politische Bildung mit Überlebendenberichten aus?

3. Testimonies and Digital Humanities: aktuelle Projekte, Trends und Perspektiven
Einen dritten Schwerpunkt bildet die Erkundung neuer Forschungsperspektiven auf Testimonies durch Methoden der Digital Humanities. Zentrale Themen sind hier die Möglichkeiten von KI unterstützten Erschließungsverfahren, das Verhältnis des klassischen Close Reading und digital unterstützten qualitativen Forschungsansätzen sowie die ethischen und rechtlichen Herausforderungen bei der Nutzung von KI-Technologien.

Zeit & Ort

02.12.2026 - 03.12.2026

Freie Universität
Henry-Ford-Bau, akademischer Senatssaal
Garystraße 35
14195 Berlin

Weitere Informationen

E-Mail für Rückfragen:

vha@ub.fu-berlin.de