Prof. Dr. Jan Gerber (LEIPZIG) Wissen und Begreifen. Der Holocaust und die Grenzen historischer Wahrnehmung (Gastvortrag)
In einer Zeit, in der die Erkenntnis über die historische Besonderheit des Holocaust und die gesellschaftliche Erinnerung an das Verbrechen schwinden, lohnt ein Blick auf die frühen Versuche, das Geschehen überhaupt zu verstehen. Bereits während des Zweiten Weltkriegs verdichteten sich Informationen über Massenerschießungen, Deportationen, Todeslager. Dennoch erschloss sich das Ausmaß der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik auch nach der Befreiung der Lager zunächst nur den wenigsten Zeitgenossen.
Der Vortrag geht der Frage nach, warum selbst gut informierte Beobachter Schwierigkeiten hatten, die historische Dimension des Verbrechens, das später als Holocaust bezeichnet wurde, zu begreifen. Anhand zeitgenössischer Berichte, diplomatischer Mitteilungen und früher Deutungsversuche wird gezeigt, wie stark Wissen und historisches Verstehen mitunter auseinanderfielen. Die Auseinandersetzung mit diesen Grenzen der Wahrnehmung eröffnet zugleich einen Blick auf einige der Bedingungen, unter denen historische Erkenntnis entsteht.
Zeit & Ort
11.06.2026 | 18:15 - 19:45
Freie Universität Berlin
Fabeckstr. 23-25 (Holzlaube)
Raum HS -1.2009
14195 Berlin
Weitere Informationen
Doris Maja Krüger
Wissenschaftliche Koordinatorin
mkrueger@europa-uni.de

