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CfP, Internationale Konferenz: Das Geschehene bezeugen. Holocaust-Zeugnisse und die Zukunft des (digitalen) Erinnerns. 20 Jahre Visual History Archive an der Freien Universität Berlin

Die Konferenz „Das Geschehene bezeugen“ findet am 2.–3. Dezember 2026 an der Freien Universität Berlin, Henry-Ford-Bau, anlässlich von 20 Jahren Visual History Archive an der FU Berlin statt. Im Zentrum stehen Holocaust-Zeugnisse, digitale Oral-History-Archive, historisch-politische Bildung, Digital Humanities sowie ethische und quellenkritische Fragen im Kontext von KI. Eingeladen sind Beiträge zu historischer Forschung, Vermittlungspraktiken mit Interviews und aktuellen digitalen Methoden. Vorgesehen sind maximal 20-minütige Vorträge auf Englisch. Abstracts von maximal 300 Wörtern plus Kurzbiografie können bis 15.06.2026 auf Deutsch oder Englisch an vha@ub.fu-berlin.de geschickt werden; Rückmeldungen erfolgen bis 15.07.2026.

News vom 05.05.2026

Ausgerichtet von:

  • Digitale Interview-Sammlungen, Universitätsbibliothek, Freie Universität Berlin

  • FNR-DFG Projekt VOICES FROM AUSCHWITZ. Unlocking Collective Memory with the Multimodal Analysis of Survivor Testimonies, Center for Contemporary and Digital History (University of Luxembourg) & Selma Stern Zentrum für Jüdische Studien Berlin-Brandenburg

Ort: Berlin, Freie Universität Berlin, Henry-Ford-Bau

Datum: 02./03.12.2026

Vor nunmehr 20 Jahren hat die Freie Universität Berlin als erste Einrichtung außerhalb der USA einen Komplettzugang zum Visual History Archive (VHA) der „USC Shoah Foundation – The Institute for Visual History and Education“ eingerichtet. Seitdem hat sich die Arbeit mit
digitalen Oral History-Interviews zu einem wichtigen Arbeitsfeld entwickelt. Die FU Berlin gehörte hier früh zu den internationalen Leuchttürmen der Forschung mit diesen einzigartigen Quellen.
Anlässlich des Jubiläums möchten wir mit einer Konferenz die Bedeutung dieses besonderen Archivs und seiner Quellen für die Auseinandersetzung mit den nationalsozialistischen Verbrechen in Forschung, Lehre und historisch-politischer Bildung würdigen und die Errungenschaften und Entwicklungen in diesem Feld Revue passieren lassen.
Zudem soll die Tagung die aktuelle Phase tiefgreifender technologischer Transformation, die sich zeitlich mit dem Ende der Zeitzeugen*innenschaft des Nationalsozialismus überschneidet reflektieren. Dieser Wandel stellt die Holocaustforschung, -bildung und -
erinnerung vor komplexe strategische wie auch ethische Herausforderungen. Wie wird damit umgegangen, dass Zeug*innen nur noch in Ausnahmefällen persönlich über ihre Erfahrungen berichten können? Welche Bedeutung kommt den videografierten Erinnerungsberichten in diesem Zusammenhang zu? Und wie sind neue digitale Formate zu bewerten, wie interaktive Zeugnisse, die dialogische Begegnungen mit Zeitzeug*innen simulieren?
Die Dynamiken des gegenwärtigen KI-Wandels verschärfen diese Herausforderungen. Einerseits erfordern KI-generierte Inhalte eine präzisierte Reflexion über Authentizität, Quellenkritik und digitale Provenienz. Andererseits entstehen im Feld der Digital Humanities
innovative Analysemethoden, die eine automatisierte Erschließung und Auswertung umfangreicher Interviewkorpora erlauben. Auf diese Weise lassen sich Themen, narrative Strukturen und erinnerungskulturelle Dynamiken in einer zuvor nicht erreichbaren Breite und Detailliertheit untersuchen. Unabdingbar bleibt jedoch eine kritische Auseinandersetzung mit den epistemologischen Implikationen algorithmischer Verfahren, die historische Zeugnisse  modellieren, filtern und gewichten und damit die Wahrnehmung von Erinnerung und Geschichte mitgestalten.

Am 2. und 3. Dezember 2026 möchten wir gemeinsam mit ca. 70 Teilnehmer*innen aus unterschiedlichen Fachrichtungen und Bildungsbereichen die vergangenen zwanzig Jahre Revue passieren lassen, Einblicke in aktuelle Forschungs- und Bildungsprojekte geben und gemeinsam über zukünftige Perspektiven der Arbeit mit digitalen Oral-History-Archiven diskutieren.

Wir laden dazu ein, Proposals für Konferenzbeiträge zu den zentralen Themen „Historische Forschung und erfahrungsgeschichtliches Wissen“, „Lernen mit Interviews: Vermittlungspraktiken in der historisch-politischen Bildung“ und „Testimonies and Digital Humanities: aktuelle Projekte, Trends und Perspektiven“ einzureichen.
Wir freuen uns über Beiträge zu folgenden Fragen und Themen:

„Historische Forschung und erfahrungsgeschichtliches Wissen“

  • Die Bedeutung von Testimonies für die Holocaust- und NS-Forschung.
  • Potenziale, Herausforderungen und Grenzen der Nutzung von Interviews als historische Quellen.
  • Perspektiven der Oral-History-Forschung in Zeiten von Autokratisierung, Demokratieverlust und gesellschaftlicher Polarisierung

„Lernen mit Interviews: Vermittlungspraktiken in der historisch-politischen Bildung“

  • Aktuelle Fragestellungen aus der pädagogischen Praxis: Welche Erwartungen bringen Lehrende und Jugendliche den Interviews entgegen und welche Irritationen lösen diese aus? Lässt sich eine wachsende Skepsis gegenüber der Arbeit mit Interviews beobachten, und wie wird dieser begegnet?
  • Wirkungsforschung zur historisch-politischen Bildung mit Überlebendenberichten sowie zu den sich verändernden Mediengewohnheiten und Rezeptionsbedingungen audiovisueller Zeugnisse.
  • Herausforderungen historisch-politischer Bildung mit Interviews in Zeiten von zunehmendem Rechtspopulismus und angesichts des wachsenden Einflusses autoritärer, menschenfeindlicher Ideologien weltweit.
  • Die Problematik von KI-generierten Holocaust-Bildern und -Videos als Herausforderung für Erinnerungskultur und Bildungsarbeit.

„Testimonies and Digital Humanities: aktuelle Trends und Perspektiven“

  • Neue Forschungsperspektiven auf Testimionies durch Methoden der Digital Humanities.
  • Close Reading versus digital unterstützte qualitative Forschungsansätze: Wie verbinden sich inhaltliche Forschungsinteressen mit den technologischen Möglichkeiten der Digital Humanities, ohne sie zu verzerren oder zu determinieren?
  • Ethische und rechtliche Herausforderung bei der Nutzung von KI-Technologien.

Weitere Informationen:
Die Konferenz wird in Präsenz an der FU Berlin stattfinden und aus max. 20-minütigen Vorträgen in englischer Sprache bestehen. Während der Konferenz wird für Verpflegung gesorgt. Für Beitragende ohne insitutionsgebundene Finanzierung kann auf Anfrage gegebenenfalls ein Zuschuss gewährt werden.

Einreichungsrichtlinien:

Bitte senden Sie bis zum 15.06.2026 individuelle oder gemeinsame Abstracts mit einem Umfang von maximal 300 Worte sowie einer Kurz-Bio, auf Deutsch oder Englisch an vha@ub.fu-berlin.de. Rückmeldung über den Status ihrer Einreichung erhalten Sie bis zum 15.07.2026.

Konferenzwebsite:
https://www.vha.fu-berlin.de/vha20/index.html

E-Mail für Rückfragen:
vha@ub.fu-berlin.de