Tagungsbericht: The Genesis of Night - Elie Wiesel Forschungsstelle

News vom 29.10.2019

Die Forschungsstelle Elie Wiesel tagte zum internationalen Symposium vom 3. - 5. September 2019 in Berlin am Selma-Stern-Zentrum für Jüdische Studien Berlin-Brandenburg zum Thema „The Genesis of Night“. Unter der Leitung von Prof. Dr. Daniel Krochmalnik (Universität Potsdam) und Prof. Dr. Reinhold Boschki (Universität Tübingen) durften wir unseren Gast und Hauptreferenten Dr. Yoel Rappel, Direktor des Elie Wiesel Archive der Universität Boston, begrüßen. Im Fokus der ersten beiden Tage standen Austausch und Diskussion der Forschungsstelle Elie Wiesel (FEW) mit unserem Gast Yoel zur Entstehungsgeschichte des Überlebensberichtes Nacht. Das Symposium wurde zusätzlich durch begleitende Präsentationen einzelner Mitglieder der FEW zu deren aktuellen Forschungsstand ergänzt. Marion Eichelsdörfer präsentierte Auszüge aus ihrer Übersetzung von „Un di Welt hot geshwign“ und Valesca Baert-Knoll präsentierte das editorische Vorgehen bezüglich der anstehenden Neuherausgabe der autobiographischen Schriften Wiesels innerhalb der geplanten Elie Wiesel Werksausgabe (EWW).[1] Die Tagung schloss mit einem Besuch der Gedenkstätte Buchenwald, dem Ort, an dem Elie Wiesel begann seinen Überlebensbericht zu verfassen.

Yoel Rappel traf Elie Wiesel erstmals 1983 in New York. Dort wurde der Grundstein für ihr späteres wissenschaftliches Zusammenarbeiten - Rappel arbeitete lange als Wiesels Research Assistent - und ihre enge Freundschaft gelegt. Später gründete Rappel das Elie Wiesel Archive[2] an der Boston University und fungierte lange als dessen Direktor. Durch die enge Zusammenarbeit und die jahrelange berufliche Auseinandersetzung mit den Schriften Wiesels, als Journalist, Historiker und Autor, konnte Rappel uns einen neuen und vertiefenden Einblick in die Entstehungsgeschichte von Nacht vermitteln.

Dieser ist von großer Bedeutung für eines der aktuellen Hauptforschungsfelder der FEW, die Neu-Übersetzung und Edition von Nacht sowie die Erstübersetzung und Edition von ‚Un di Welt hot geshwign‘, der umfangreicheren, jiddischen Version von Nacht.

Eine der zentralen Fragen die diskutiert wurden, betraf die Kontroverse um die Originalversion von Nacht.  Ist diese zuerst auf Hebräisch oder Jiddisch verfasst worden und in welchem Verhältnis stehen diese beiden Versionen zueinander? Daraus ergab sich eine weiterführende Frage, die für die Werkausgabe ebenso von Relevanz ist: Wie geht man mit Varianten einer Beschreibung, die in unterschiedlichen Versionen und Sprachen (jiddisch, hebräisch, französisch, englisch) zu finden sind, in Bezug auf die Frage der Authentizität um? Was können wir aus den Differenzen für Schlüsse ziehen? All diese Fragen werden für die anstehende Werkausgabe in Bearbeitung und Beurteilung von Interesse sein, besonders, da sich all seine Werke in konzentrischen Kreisen um Nacht bewegen

Nicht zuletzt wollen wir an dieser Stelle allen Referent_innen und Teilnehmer_innen des Symposiums und insbesonders der Leitung und den Mitarbeiter_innen des Selma-Stern-Zentrum für Jüdische Studien Berlin-Brandenburg für die Bereitstellung des Tagungsortes danken. 

(Bericht: Juliane Güler)


[1] Vgl. hierzu Boschki, Reinhold; Krochmalnik Daniel: Für eine Gesamtedition der Werke Elie Wiesels, in: Reinhold Boschki, René Buchholz (Hg.): Das Judentum kann nicht definiert werden. Beiträge zur jüdischen Geschichte und Kultur. Berlin 2014. S. 273-306.

[2] Für weitere Informationen vgl. http://archives.bu.edu/web/elie-wiesel/about-the-archive.

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