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Nachgefragt... Prof. Dr. Jascha Nemtsov

Jascha Nemtsov

Jascha Nemtsov
Bildquelle: Rut Sigurdardóttir

Prof. Dr. Jascha Nemtsov ist ZJS-Professor für die Geschichte der Jüdischen Musik des Abraham Geiger Kollegs Potsdam an der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar.

News vom 18.08.2020

Woran arbeiten Sie gerade?
Ich bereite die überarbeitete englische Fassung meiner Monographie über die „Neue Jüdische Schule in der Musik“ für den Druck vor. Sie wird unter dem Titel „From St. Petersburg to Vienna. The New Jewish School in Music (1908–1938) as Part of the Jewish Cultural Renaissance” erscheinen.

Was ist Ihre zentrale These?
Die Entwicklung der Musik kann man nur im Kontext ihrer vielfältigen kulturhistorischen und sozialen Verflechtungen verstehen.

Wo sehen Sie die Relevanz der Jüdischen Studien für den Allgemeingültigkeitsanspruch der Wissenschaft?
Jede Art von Wissenschaft ist beschränkt. Auf der Suche nach Wahrheit beschreitet die Wissenschaft nicht so selten sogar völlig falsche Wege. Ein Allgemeingültigkeitsanspruch der Wissenschaft ist in meinen Augen deswegen nicht berechtigt.

Wo sehen Sie die engsten Verbindungen zwischen den Jüdischen Studien und den Rechtswissenschaften?
Das jüdische Recht Halacha ist eines der ältesten bis heute gültigen Rechtssysteme. Für die Rechtswissenschaften ist das jüdische Recht ein seltenes Beispiel eines Rechtssystems, das seine Kontinuität und Konsistenz unter ganz unterschiedlichen historischen Bedingungen bewahren konnte.

Was ist Ihrer Meinung nach die wichtigste Quelle/Ihr Lieblingstext?
Albert Camus, Die Wette unserer Generation: „Das Ziel der Kunst, das Ziel eines Lebens kann nur darin bestehen, die Summe der Freiheit und Verantwortung, die in jedem Menschen und in der Welt liegt, zu vergrößern.“ Die Dialektik von Freiheit und Verantwortung bildet auch den Kern des Judentums als Kultur, Lebensweise und Weltanschauung.

Was wünschen Sie sich für die Jüdischen Studien?
Ich hoffe vor allem, dass die Jüdischen Studien weiterhin als eine gesellschaftsrelevante Disziplin behandelt werden und nicht nur als eines von vielen kleinen Orchideenfächern.

Was sollte nach Ihrer Meinung aus Ihrem Forschungsbereich im Schulunterricht/in den Bildungsbereich/in die Gesellschaft Eingang finden?
Im Laufe der letzten Jahre und Jahrzehnte konnte das Werk von vielen verfolgten jüdischen Komponisten wiederentdeckt werden. Ihre Kompositionen sollten nicht nur Teil des allgemeinen Kulturlebens sein, sondern auch Eingang in den Schulunterricht finden.

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