Springe direkt zu Inhalt

Joel Jacoby (1811–1863). Ein Seitenwechsler der Emanzipations- und Restaurationszeit

Neues Forschungsprojekt zur jüdischen Geschichte an der Freien Universität Berlin

News vom 28.04.2020

Förderung: Gerda Henkel Stiftung, Laufzeit: April 2020 bis Oktober 2022

 

Im April 2020 haben die ZJS-Mitglieder Johannes Czakai und Kathrin Wittler ihre Arbeit an dem Forschungsprojekt „Joel Jacoby (1811–1863). Ein Seitenwechsler der Emanzipations- und Restaurationszeit“ aufgenommen. Das Projekt ist an der Freien Universität Berlin angesiedelt und wird für zweieinhalb Jahre von der Gerda Henkel Stiftung gefördert.

 

Im Zentrum des interdisziplinären Projekts steht eine Persönlichkeit des literarischen Lebens im Deutschland des 19. Jahrhunderts, an deren Wirken sich die politischen und religiösen Verwerfungen der Restaurations- und Emanzipationszeit exemplarisch veranschaulichen lassen. Joel Jacoby (1811–1863) erregte in den 1830er Jahren mit einem doppelten Seitenwechsel Aufsehen. Er wechselte zunächst aus dem liberalen Lager in die Dienste der preußischen Polizei und trat dann vom jüdischen zum katholischen Glauben über. Seinen Gesinnungswandel machte er in Zeitungserklärungen, in Streitschriften und in Gedichtbänden zu einer öffentlichen Angelegenheit, wodurch er Kritik und Verachtung auf sich zog. Friedrich Engels etwa urteilte: „Die Sprachverwirrung Franz Karl Joel Jacobys ist seiner Gedankenverwirrung angemessen.“

 

Ziel des Projekts ist es, Jacobys Wirken als politischer Schriftsteller und Dichter, als Spion und Zensor, als Jude und Konvertit, als Symbolfigur und Netzwerker mittels einer Buchveröffentlichung – bestehend aus einer Biographie und einer Auswahledition bislang unveröffentlichten Archivmaterials – Konturen zu verleihen und auf diesem Wege neue Einsichten in die Kulturgeschichte der Emanzipations- und Restaurationszeit zu gewinnen. Das interdisziplinär angelegte Projekt profitiert von der jeweiligen Expertise der beiden Forscher_innen, die sich der Person Jacoby aus historischer und literaturwissenschaftlicher Perspektive annähern.

 

Johannes Czakai war von 2015 bis 2018 wissenschaftlicher Mitarbeiter des Selma Stern Zentrums. Anschließend war er bis 2019 Research Fellow am Franz Rosenzweig Minerva Research Center der Hebräischen Universität Jerusalem. Im Frühjahr 2020 hat er seine Dissertation zur Geschichte jüdischer Familiennamen in Galizien abgeschlossen. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen jüdische Epigraphik, Genealogie und Konversionsforschung.

 

Kathrin Wittler, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Peter Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Freien Universität Berlin, ist seit 2012 assoziiertes Mitglied des Selma Stern Zentrums. Für die Arbeit an ihrer mehrfach ausgezeichneten Dissertation Morgenländischer Glanz. Eine deutsche jüdische Literaturgeschichte (1750–1850) konnte sie von den Diskussionsmöglichkeiten am ZJS profitieren.

 

Kontakt:

Johannes Czakai (johannes.czakai[at]fu-berlin.de)

Kathrin Wittler (kathrin.wittler[at]fu-berlin.de)         

18 / 61