Blankensee-Colloquium tagte zu "Jüdischer Film? Ein neues Forschungsfeld im deutsch-sprachigen Raum"

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Tagungsbericht von Lea Wohl von Haselberg 

News vom 21.01.2020

Vom Wissenschaftskolleg zu Berlin gefördert und in Kooperation mit dem Selma Stern Zentrum fand vom 15. bis 17. Januar im Brandenburgischen Zentrum für Medienwissenschaften (ZeM) das Blankensee Colloquium Jüdischer Film? Ein neues Forschungsfeld im deutschsprachigen Raum statt. Die Förderlinie richtet sich an Nachwuchswissenschaftler*innen und gibt ihnen die Möglichkeit ein Thema in den Mittelpunkt zu stellen, dass innovativ, aber in den beteiligten Disziplinen eher randständig ist. Für dessen Akzeptanz und Etablierung noch geworben werden muss, das sich aber durch gesellschaftliche Relevanz auszeichnet.

All das trifft auf den ‚Jüdischen Film‘ zu: Als unscharfes Themenfeld vor allem aus der Filmprogrammierung von Festivals kommend ist er im englischsprachigen Raum in den letzten Jahren zu einem Unterbereich der interdisziplinär verfassten Jewish Studies geworden. Im deutschsprachigen Raum gibt es in den Jüdischen Studien wie auch den Medienwissenschaften zwar Forschung und Lehre, die diesem Feld zuzurechnen sind, die entsprechenden Forschungsarbeiten werden aber kaum aufeinander bezogen. Das Fragezeichen im Veranstaltungstitel markierte den Diskussionsbedarf, den es, vielleicht vor allem um den Begriff des Jüdischen Films, für die verschiedenen beteiligten Disziplinen (noch) gibt und verweist darauf, dass hier um ein Forschungsfeld zusammenzuführen noch grundlegende theoretisch-methodische Fragen zu klären sind.

Den ersten Tag eröffnete die Filmwissenschaftlerin Gertrud Koch mit der sehr grundsätzlichen Frage, Was kann an einem Film jüdisch sein? – deren Beantwortung sie filmtheoretisch und skizzenhaft mit Beispielen nachging. Cathy Gelbin (University of Manchester) folgte mit ihrem Vortrag der Frage, was einen Film jüdisch machen könne und welche Zuschreibungen zu verwerfen seien, Chris Wahl (Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf) verortete den Begriff im Anschluss zwischen Filmerbe und Filmgeschichte.

In vier Panels (Repräsentationen; Akteur*innen; Interdisziplinäre Anschlüsse; Rezeption und Distribution) und mit viel Zeit, um die Vorträge aufeinander zu beziehen und zu diskutieren, wurde das Feld in den folgenden zwei Tagen aufgefächert. Dabei wurde sowohl die Bandbreite der unterschiedlichen Filme deutlich, die dem jüdischen Film zugeordnet werden können, als auch die disparaten methodischen Zugriffe. 

In Podiumsgesprächen wurden verschiedene Schnittstellen über die universitäre Forschung hinaus diskutiert – namentlich die Rolle, die jüdischer Film in Ausstellungen in Museen und in der Bildungsarbeit spielt sowie die Arbeit von jüdischen Filmfestivals und Filmclubs. Die grundlegende Frage nach dem Mehrwert des ‚Jüdischen Films‘ trat nach dem ersten Nachmittag an die Seite und machte Platz für konkrete Fragen am Material – seien es einzelne Produktionen wie der Fernsehfilm Mit den Augen einer Israeli (NDR 1962) oder Biographien von Filmschaffenden, wie von Artur Brauner oder Karl Fruchtmann. Der Blick in die Literaturwissenschaften, wo die Diskussion über Definitionsprobleme jüdischer Literaturen und in die Kunstgeschichte und den Diskurs über ‚jüdische Kunst‘ ermöglichten über Gemeinsamkeiten und Unterschiede eine Schärfung der Fragestellung. 

Es bleibt zu hoffen, dass das im Rahmen des Blankensee-Colloquium begonnene Gespräch fortgeführt wird und die Vernetzung zu andauernden Kooperationen führt.

 

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