Springe direkt zu Inhalt

Gastvortrag: Jüdische Diaspora und Wissenschaft - Jüdische Wissenschaft der Diaspora. Prof. Dr. Céline Trautmann-Waller (Paris)

22.01.2019 | 16:15 - 17:45

FORSCHUNGSCOLLOQUIUM von Prof. Dr. Kerstin Schoor

Ausgangspunkt des Vortrags ist die Tatsache, dass die «Verwissenschaftlichung» des Judentums durch die so genannte Wissenschaft des Judentums am Anfang des 19. Jahrhunderts durch eine positive Besetzung des Lebens in der Diaspora unter kulturhistorischem Vorzeichen begleitet wurde. Die Folgen der Diaspora werden damals, sei es in historiographischer oder philologischer Hinsicht, als positiv gedeutet: die durch sie bedingten Kulturkontakte begründen die Rolle der Juden als Mittler zwischen den Kulturen, ihre universale geistige Aufgabe, ihre Hoffnung auf ein «versöhntes Europa» (Leopold Zunz). Bekanntlich gerät dieses Modell in Konflikt mit dem aufkommenden Nationalismus und mit dem traditionellen Religionsbegriff. Es wird jedoch durch Simon Dubnow in veränderter Form weitergeführt und unterhält auch eine besondere Bezie-hung zu den Plänen jüdischer Enzyklopädien. Einen institutionellen Ort, an dem es sich hätte verankern können, fand es nur schwer. In Autobiographien jüdischer Wissenschaftler allerdings werden die frühen Erfahrungen von Mehrsprachigkeit und religiöser Vielfalt auf die Entwicklung neuer wissenschaftlicher Methoden und Perspektiven bezogen. Diese komplexen Texte thematisieren nicht selten die Kombination von Innen- und Außenperspektive, das schwierige Gleichgewicht zwischen dem Judentum als Objekt und/oder Subjekt der Forschung.Zum Schluss soll analysiert werden, welche Rolle die Auseinandersetzung mit den Bedingungen einer diasporischen Existenz bei einigen frühen Soziologen gespielt hat.

Zeit & Ort

22.01.2019 | 16:15 - 17:45

Europa-Universität Viadrina, Axel Springer-Stiftungsprofessur für deutsch-jüdische Literatur- und Kulturgeschichte, Exil und Migration.
Logenstraße 9-10, 15230 Frankfurt (Oder)
Stephan-Saal und Postgebäude Raum 265