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2. Jüdisch-Literarisches Rondeel

26.02.2020 | 18:30

Das Schreiben der eigenen Familienbiographie. Zu Gast: Christian Berkel „Der Apfelbaum“. »Jahrelang bin ich vor meiner Geschichte davongelaufen. Dann erfand ich sie neu.«

Für den Roman seiner Familie hat der Schauspieler Christian Berkel seinen Wurzeln nachgespürt. Er hat Archive besucht, Briefwechsel gelesen und Reisen unternommen. Entstanden ist ein großer Familienroman vor dem Hintergrund eines ganzen Jahrhunderts deutscher Geschichte, die Erzählung einer ungewöhnlichen Liebe.

Berlin 1932: Sala und Otto sind dreizehn und siebzehn Jahre alt, als sie sich ineinander verlieben. Er stammt aus der Arbeiterklasse, sie aus einer intellektuellen jüdischen Familie. 1938 muss Sala ihre deutsche Heimat verlassen, kommt bei ihrer jüdischen Tante in Paris unter, bis die Deutschen in Frankreich einmarschieren.

Während Otto als Sanitätsarzt mit der Wehrmacht in den Krieg zieht, wird Sala bei einem Fluchtversuch verraten und in einem Lager in den Pyrenäen interniert. Dort stirbt man schnell an Hunger oder Seuchen, wer bis 1943 überlebt, wird nach Auschwitz deportiert. Sala hat Glück, sie wird in einen Zug nach Leipzig gesetzt und taucht unter.

Kurz vor Kriegsende gerät Otto in russische Gefangenschaft, aus der er 1950 in das zerstörte Berlin zurückkehrt. Auch für Sala beginnt mit dem Frieden eine Odyssee, die sie bis nach Buenos Aires führt. Dort versucht sie, sich ein neues Leben aufzubauen, scheitert und kehrt zurück. Zehn Jahre lang haben sie einander nicht gesehen. Aber als Sala Ottos Namen im Telefonbuch sieht, weiß sie, dass sie ihn nie vergessen hat.

Mit großer Eleganz erzählt Christian Berkel den spannungsreichen Roman seiner Familie. Er führt über drei Generationen von Ascona, Berlin, Paris, Gurs und Moskau bis nach Buenos Aires. Am Ende steht die Geschichte zweier Liebender, die unterschiedlicher nicht sein könnten und doch ihr Leben lang nicht voneinander lassen.

Gastgeber:
Thomas Sparr, Jüdischer Verlag im Suhrkamp Verlag,Kooperation mit Ullstein und Anja Siegemund

Christian Berkel, 1957 in Berlin geboren, studierte an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin, arbeitete von 1977 bis 1993 als Schauspieler am Theater und danach in nationalen und internationalen Film- und Kinoproduktionen. Er wurde bekannt durch seine Rollen in TV-Krimis wie Tatort, Derrick und „Der Kriminalist sowie durch den oscarnominierten Film „Der Untergang“. Außerdem ist Berkel ein gefragter Synchron- und Hörbuchsprecher.


Zeit & Ort

26.02.2020 | 18:30

Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum
Repräsentantensaal
Oranienburger Straße 28–30
10117 Berlin