Pardes 2020: Jüdische Familien und Verwandtschaft in der Frühen Neuzeit und Moderne

News vom 24.05.2019

Pardes, die Zeitschrift der Vereinigung für Jüdische Studien, widmet ihre nächste Ausgabe dem Thema Jüdische Familien und Verwandtschaft in der Frühen Neuzeit und Moderne.

Die jüdische Familie ist ein Forschungsfeld an der Schnittstelle bzw. im Schatten der großen Themen, die die jüdische Historiographie und die moderne Familienforschung in den Sozial- und Kulturwissenschaften prägen: Modernisierung und Privatisierung des Judentums und des jüdischen Lebens, Integration und Eigenheit, Geschlechterrollen und Erziehung, um nur einige Themen zu nennen. Nachdem eine solche Forschung unter den Gelehrten der Wissenschaft des Judentums in den letzten zwei Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts begann, wurde die akademische Familienforschung 1913 mit der Zeitschrift Archiv für jüdische Familienforschung institutionalisiert, herausgegeben von Max Grunwald (1871–1953). Die Unterstützer der Zeitschrift aus den Kreisen um das Wiener Jüdische Museum setzten sich zum Ziel, das Wissen und die Bedeutung von Testamenten, Familienstammbäumen, Privilegien, Urkunden, Mohelbüchern und anderen Dokumenten als Quellen historischer Forschung zur jüdischen Familie zu vertiefen. Heute können noch materielle Objekte der Liste hinzugefügt werden, die im Besitz von Familien waren oder noch immer sind und die den Weg einer Familie oder ihre Verwandtschaftsverhältnisse dokumentieren.

 

Die Shoah unterbrach die jüdische Familienforschung für lange Zeit. Die Pionierstudien von Jacob Katz brachten schließlich das Feld in den akademischen Diskurs zurück. Seither weiß man mehr von den „Mythen und Realitäten“ von und in jüdischen Familien, ihrem „Umgang mit Leben und Tod“, den „Realitäten interreligiöser Familien“ und anderen Themen, die das unbekannte Potential dieses Feldes nur andeuten. Es liegt auf der Hand, dass Familienforschung stets ein interdisziplinäres Feld war. Geschlechterstudien, regionale/transregionale und lokale Studien, Alltags- und Sozialgeschichte bieten neue und gleichzeitig systematische Herangehensweisen und Forschungsfragen für die Geschichte jüdischer Familien.

  Die Herausgeber laden deutsch- oder englischsprachige Beiträge zu den folgenden oder verwandten Aspekten des Schwerpunktthemas ein:

 

-       Ehe und eheliches Leben (Gründung des ersten Haushalts, Arbeitserwerb und Unternehmen, Kinder, Tod von Kindern)

-       Netzwerke und Mobilität (Familiendynastien, yichus/Status, Statuserhalt und -verlust, strategische Verheiratung von Kindern etc.)

-       Rollenmodelle und Rollen von Frauen und Männern (Mütter und Väter, Kinder, Geschwister, Cousinen und Cousins, Großeltern etc.)

-       Familienunternehmen (Firmen und Unternehmen in den Händen jüdischer Familien, Familienerbe und Erbstreitigkeiten)

-       Familie als Focus und locus jüdischer Religion (intermarriage, Hochzeitszeremonien, Konversion)

-       Geschichte und Historiographie der akademischen jüdischen Familienforschung

 

Wir laden Beiträge von 30.000 bis 35.000 Zeichen (inkl. Leerzeichen), aber auch kürzere Beschreibungen aktueller Forschungsprojekte (z.B. Dissertationen) von 7.500 bis 12.500 Worten ein. Die Beiträge durchlaufen ein Peer-Review-Verfahren. Bis zum 15. Juni 2019 werden Vorschläge für Beiträge (Abstract ca. 500 Wörter) und ein Kurzlebenslauf (100 Wörter) auf Deutsch oder Englisch erbeten an die Herausgeber, Mirjam Thulin und Markus Krah, unter journalpardes2020@gmail.com. Zusagen werden bis zum 30. Juni mitgeteilt. Die Abgabefrist für die Beiträge ist der 15. November 2019.

 

Auch Besprechungen einschlägiger Bücher sind willkommen; diese werden von der für Rezensionen zuständigen Mitherausgeberin Bianca Pick betreut (bianca.pick1@uni-oldenburg.de).

 

PaRDeS ist eine interdisziplinäre Fachzeitschrift, die ihre Qualität durch double blind peer-review-Verfahren sichert; alle in PaRDeS veröffentlichten Beiträge werden in Rambi. Index of Articles on Jewish Studies nachgewiesen. PaRDeS erscheint online im Open-Access-Verfahren und als Printausgabe. Die bisher erschienenen Ausgaben sind unter diesem Link verfügbar: http://v-j-s.org/zeitschrift-pardes/

 

 

Kontakt:

 

Mirjam Thulin                                                                         Markus Krah

Leibniz-Institute für Europäische Geschichte                       Universität Potsdam

Mainz                                                                                     Potsdam

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