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Ländliches und städtisches Judentum im Spannungsfeld von Tradition und Moderne. Internationaler Nachwuchsworkshop in Bamberg, Deutschland (27. bis 29. Juli 2020)

Ihre Bewerbungsunterlagen und Anfragen richten Sie bitte an folgende E-Mail-Adresse:
nachwuchstagungjudaistik@gmail.com
Organisationsteam: Rebekka Denz M.A., Universität Bamberg; Markus Krah, PhD, Universität Potsdam; Prof. Dr. Carsten Schapkow, University of Oklahoma

News vom 26.02.2019

Das Begriffspaar ‚Tradition‘ und ‚Moderne‘ prägt unser Bild von jüdischer Geschichte und Kultur bis heute. Der Dualismus „Land = Stagnation“ und „Stadt = Fortentwicklung“ ist ein in der Wissenschaft gängiges Muster, das es zu hinterfragen gilt. Das Verhältnis von Stadt und Land wurde zumeist als Einbahnstraße oder als Entweder-Oder, Stadt oder Land, betrachtet. Dabei stellt sich die Frage, ob eine solche Dichotomie angesichts der in der neueren Forschung, etwa in David Sorkins Buch „The Transformation of German Jewry, 1780-1840“ von 1987 beschriebenen Transformationsprozesse bezogen auf das deutschsprachige Judentum weiterhin haltbar ist? Ein solch scharfer Gegensatz blendet wichtige Fragen aus: Was passierte in den Zwischenräumen und Bewegungen in beide Richtungen? Welche Verbindungen und Transfers von Personen, Texten, Objekten, Ideen und Institutionen gab es, die die Kategorien „Land“ und „Stadt“ destabilisieren?
Der interdisziplinäre Workshop stellt daher das Phänomen des ländlichen Judentums in seiner Beziehung zum städtischen Judentum in den Mittelpunkt. Auf die Festlegung eines zeitlichen Schwerpunkts wird bewusst verzichtet. In den Blick genommen werden sollen die Kulturräume Mitteleuropa (insb. der deutschsprachige Raum), Ost(mittel)europa ebenso wie Nordamerika. Diese drei geografischen Regionen sind nicht nur durch die jüdische Migrationsgeschichte auch in Fragen von Moderne und Tradition historisch miteinander verquickt, sondern versprechen auch unterschiedliche Antworten auf die Kernfragen des Workshops.
Folgenden Fragen soll auf dem Workshop nachgegangen werden: Stellen sich ländliches und städtischen Judentum heute in der Forschung nach wie vor als feststehende Kategorien dar? Wann und wo sind ländliche Juden Motoren der Modernisierung, wann und wo gehen diese Impulse von städtischen Juden aus? Einbezogen werden soll sowohl die Interaktion der verschiedenen Milieus der ländlichen Bevölkerung miteinander als auch diejenige von Land mit Stadt und vice versa. Willkommen sind Themenvorschläge, die auf Stadt-Land-Vergleiche abzielen, ebenso wie solche, die sich damit auseinandersetzen, welche Forschungsfragen, die auf das städtische Judentum bereits Anwendung finden, auf das ländliche angewendet werden sollten und umgekehrt.
Mögliche Themen könnten sein:
- Diskussion des Begriffspaars ‚Tradition‘ und ‚Moderne‘ am Beispiel von Land- und Stadtjudentum
- Landjude – Stadtjude? Vom (Un-)Sinn einer Typologie. Wie sahen die Bewegung von Stadt aufs Land und umgekehrt in unterschiedlichen Regionen von der Vormoderne bis in die Moderne aus?
- Grenzgänger zwischen Land und Stadt
- Ländliche (und städtische) Judentümer im (transnationalen) Vergleich
- Interaktionen auf dem Land (z.B. christlich-jüdische Koexistenz, aber auch Koexistenz anderer ethnischer Gruppen)
- Interaktionen zwischen Land und Stadt (Wissenstransfer, Ökonomie, Binnenmigration, transnationale Migration)
- Formen der Popularisierung (der Bilder) von Stadt- und Landjudentum in Literatur, Theater und Film

Wir laden Nachwuchswissenschaftler/innen aller Fachrichtungen herzlich dazu ein, bis zum 15. April 2019 Themenvorschläge für Vorträge einzureichen. Pro Vortrag sind 20 Minuten individuelle Präsentationszeit vorgesehen. Zudem werden ausgewiesene Senior Scholars für die Panelleitung nebst Kommentar angefragt. Grundsätzlich wird im Programm der Diskussion viel Zeit eingeräumt.
Der Workshop ist interaktiv konzipiert, d.h. der Austausch zwischen Junior und Senior Scholars sowie der Nachwuchswissenschaftler/innen untereinander sollen befördert werden.
Bei Interesse senden Sie bitte an die unten angegebene Kontaktadresse ein Exposé des Vortrags (max. 400 Wörter) und einen tabellarischen Lebenslauf (max. 2 Seiten). Es werden ausdrücklich auch diejenigen Nachwuchswissenschaftler/innen zur Bewerbung aufgefordert, die zu jüdischen Themen beispielsweise im Bereich der Religionswissenschaften, Geschichte, Ethnologie, Literatur- und Sprachwissenschaften arbeiten, aber nicht an Einrichtungen aus dem Forschungsbereich Judaistik/Jüdische Studien angebunden sind. Tagungssprachen sind Deutsch und Englisch.
Vorbehaltlich der Finanzierungszusage können Reise- und Aufenthaltskosten übernommen werden. Der Nachwuchsworkshop wird im Auftrag der Vereinigung für Jüdische Studien e.V. veranstaltet

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