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CfP: „ihr wist ich kenne die Welt und meine daß in Ernst“: Rahel Levin Varnhagen (neu) lesen

Interdisziplinärer Workshop in Frankfurt am Main, Deadline: 01.05.2021

News vom 24.02.2021

Zweiter interdisziplinärer Workshop der Kalathiskos. Autorinnen der Romantik-Reihe, organisiert von Frederike Middelhoff und Martina Wernli

2./3. September 2021

Goethe-Universität Frankfurt, Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik                                                                                                  

Anlässlich des sich am 19. Mai 2021 zum 250. Mal jährenden Geburtstags von Rahel Levin Varnhagen widmet sich der zweite Workshop der Kalathiskos-Reihe dem umfangreichen Œuvre der noch immer vornehmlich als Salonnière bekannten Schriftstellerin und Gelehrten. Dank der nunmehr vorliegenden kritischen (Neu‑)Editionen ihrer Tagebücher, Aufzeichnungen und Briefwechsel (u.a. im C.H. Beck und Wallstein Verlag) besitzt die Forschung eine verlässliche Basis, um das Werk Rahel Levin Varnhagens rekonstruieren und (neu) beleuchten zu können. Die Schriften konstituieren das literarische, philosophische und zeitdiagnostische Werk einer Autorin, der Hannah Arendts Lebensgeschichte einer deutschen Jüdin (E: 1933/38; engl./dt.; vgl. Kritische Gesamtausgabe, Bd. 2, Wallstein 2021) ein eindrucksvolles Monument geschaffen hat. Doch Rahel Levin Varnhagens Denken und Schreiben ist selbst monumental – ihre Texte, die kleine Formen (Aphorismen, Aperçus, Gedichte, Prosa-Skizzen, Übersetzungen u.v.m.) ebenso wie großformative Gattungen umfassen, sind ästhetisch und thematisch komplex, wie schon die epistolaren Rahel-Bücher eindrücklich vor Augen führen, die Karl August Varnhagen von Ense 1834 in drei Bänden herausgab. Seit 2011 liegt nun eine sechsbändige Gesamtausgabe nach dem Manuskript der Sammlung Varnhagen aus Krakau vor. Auch die Tagebücher, Vorlesungsmitschriften und umfangreichen Notizkonvolute zeichnen das Bild einer Schriftstellerin, die virtuos zwischen traditionellen Textgattungen navigierte und die Diskurse ihrer Zeit nicht nur kritisch, sondern auch humoristisch reflektierte.

Der interdisziplinäre Workshop möchte Rahel Levin Varnhagens Texte sowohl in ihrer Vielschichtigkeit als auch im Horizont ihrer soziokulturellen und geistesgeschichtlichen Verortung in den Blick nehmen. Wir interessieren uns für (Neu‑)Lektüren von Rahel Levin Varnhagens facettenreichem Werk z.B. ausgehend von kultur- und philosophietheoretischen, praxeologischen, kunst- und wissensgeschichtlichen Zugängen. Ziel ist dabei, Rahel Levin Varnhagens Texte sowie die eigenen, weitreichenden Lektüren der Autorin in ihren materiellen, ästhetischen, poetologischen und soziohistorischen Dimensionen zu erkunden und u.a. vor dem Hintergrund romantischer Theoreme, Kommunikationsformen und Praktiken (neu) zu diskutieren.

Mögliche Themenfelder für Vortragsbeiträge im Rahmen des Workshops sind:

  • Briefnetzwerke (Familie, Freunde, Freundinnen, Bekannte); epistolare Darstellungsformen;           
  • Traumprotokolle in gattungs- und kulturtheoretischer Hinsicht;
  • Übersetzung (z.B. die französischen Übersetzungen zahlreicher Goethe-Gedichte) und Mehrsprachigkeit (in den Briefen und anderen Schriften);
  • Formen, Theorien und Kulturen der Geselligkeit;
  • Theorien der Kunst, Musik und Dichtung;
  • Autobiographisches / autopathographisches Schreiben;
  • Politische Theorie und Zeitdiagnostik (z.B. hinsichtlich einer Idee des Nationalstolzes; Gedanken zu Staatslehre und Europa);
  • Philosophie und Anthropologie (z.B. mit Blick auf Schriften, die ‚Wissen‘ im Allgemeinen, Wahrheit, Freiheit/Opfer, Liebe, Eitelkeit, das Absolute, Weiblichkeit usw. umkreisen);
  • Religion in Theorie (z.B. mit Blick auf ihre Beschäftigung mit Juden- und Christentum) und Praxis (vgl. Konversion; Gebete und Theorien positiver Religion);
  • Praktiken des (Wieder-)Lesens: Verfahren des Kommentierens, Glossierens, Redigierens, Kommunizierens usw. eigener und fremder Texte und Textelemente; literaturkritische Studien.

Wir bitten um Einsendungen von Beitragsabstracts (max. 500 Wörter) und kurzen bio-bibliographischen Angaben bis zum 01.05.2021 an middelhoff@em.uni-frankfurt.de und wernli@lingua.uni-frankfurt.de. Der Workshop, der Vorträge und gemeinsame Lektüren vorsieht, ist in Präsenz geplant, je nach Pandemiegeschehen ist eine hybride oder rein digitale Variante als alternative Option vorgesehen. Kosten für Anfahrt und Unterbringung können bei Bedarf übernommen werden.

Kontakt

Prof. Dr. Frederike Middelhoff (W1-Professur für Neuere Deutsche Literatur mit dem Schwerpunkt Romantikforschung)

PD Dr. Martina Wernli (Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik)

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