Springe direkt zu Inhalt

CFP: Martin Buber-Studien Bd. 4: Martin Buber und die Literatur

Deadline July 31, 2020

News vom 28.04.2020

Die ersten drei Bände der Martin Buber-Studien – der Schriftenreihe der Martin Buber-Gesellschaft – haben sich der Relevanz von Bubers Denken für die Gegenwart (Band eins) und wesentlichen Werk- und Wirkkomplexen Martin Bubers angenommen: der Bibelübersetzung (Band zwei) sowie seinem dialogischen Denken (Band drei). Auch der vierte Band der Studien beleuchtet einen zentralen Gegenstand in Bubers Schaffen, nämlich seine Beschäftigung mit Literatur, die sich in eigenen literarischen Texten sowie im Nachdenken über Literatur äußert.

 

Martin Bubers Auseinandersetzung mit Literatur ist bisher in ihrer Vielschichtigkeit kaum erfasst worden. Spätestens seit Erscheinen der Bände der Martin-Buber-Werkausgabe zu den chassidischen Erzählungen (MBW 19, 2009, MBW 18, 2015 u. MBW 16, 2018) sowie den sehr umfangreichen Schriften zu Literatur, Theater und Kunst, Lyrik, Autobiographie und Drama (MBW 7, 2016) liegen die literarischen, kunstprogrammatischen und literaturkritischen Texte Bubers gesammelt und in kommentierten Fassungen vor, die weit über die Literaturwissenschaft hinaus neue Einsichten in Bubers Werk ermöglichen und zahlreiche Verbindungen zu anderen Wissenschaftsdisziplinen – wie Philosophie, Theologie, Pädagogik und Psychologie – erschließen. Gerade Bubers ästhetischen Reflexionen und seinem eigenen literarischen Wirken ist eine produktive, inter- und transdisziplinäre Verbindung zu seinem philosophischen, theologischen und pädagogischen Denken zu eigen.

 

Die Martin Buber-Studien 4 wollen unter dem Arbeitstitel „Martin Buber und die Literatur“drei Dimensionen von Bubers Verhältnis zu Literatur und Ästhetik in den Mittelpunkt rücken:

 

Erstens: Martin Buber als Schriftsteller. Noch als junger Mann arbeitet er gemeinsam mit seiner Frau Paula an der Neufassung chassidischer Legenden und veröffentlicht 1906 Die Geschichten des Rabbi Nachman, nur etwas später Die Legende des Baalschem. Die Beschäftigung mit dem Chassidismus umspannt beinahe Bubers gesamtes Leben: 1949 erscheinen Die Erzählungen der Chassidim in einer Neugestaltung. Neben seinen literarischen Bearbeitungen biblischer Stoffe wie in Gog und Magog oder in seinem Mysterienspiel Elija verfasst er immer wieder und Zeit seines Lebens Gedichte und Prosatexte. In seinem literarischen Schaffen wird ein poetologisches Programm sichtbar: Buber versteht Literatur auch als Ort des Jüdischen. Willkommen sind Beiträge, die sich Bubers literarischen Veröffentlichungen oder seinen Schaffensphasen widmen und die Texte auch literaturwissenschaftlich und -geschichtlich erschließen.

 

Zweitens: Martin Buber als Akteur im kulturellen Feld. Buber pflegt sowohl beruflich – u.a. als Lektor bei Rütten & Loening oder als Herausgeber der Zeitschrift Die Kreatur – als auch privat Freundschaften und Bekanntschaften mit zahlreichen Publizisten und Künstler- bzw. Schriftstellerpersönlichkeiten von Hermann Hesse über Else Lasker-Schüler, Margarete Susman und Max Brod bis hin zu Joseph S. Agnon, Richard Beer-Hofmann, Thomas Mann und Stefan Zweig. Er agiert als Netzwerker, stellt Verbindungen in andere gesellschaftliche Felder her, betätigt sich als Kritiker; und er unterstützt das Schreiben seiner Ehefrau Paula Buber. Wir freuen uns über Beiträge, die persönliche Kontakte und inhaltlichen Austausch über Literatur, Kultur und die Themen der Zeit nachzeichnen ebenso wie über Aufsätze, die verschiedene künstlerische Netzwerke identifizieren, denen Martin Buber angehörte und die Bubers Position in ihnen beschreiben. In diesen Bereich fallen auch Bubers zahlreiche Übersetzungen – auch jenseits der Verdeutschung der Schrift. Dazu gehören unter anderen eine Übersetzung des finnischen Nationalepos Kalevala, die chinesischen Geister- und Liebesgeschichten und die Übersetzung aus dem Jiddischen des jüdischen Arbeiterdramas Eisik Scheftel von David Pinski.

 

Drittens: Martin Bubers literarische Ästhetik. Generell kennzeichnet Bubers Schreiben – auch sein theologisches und philosophisches Werk – eine hohe Literarizität und Ästhetizität, durch die er wichtige Aspekte seines Denkens zum Ausdruck bringt. Das gilt für seine Auseinandersetzung mit jüdischen Erzähltraditionen sowie für die genuin disziplinübergreifende Schreibweise Bubers. Willkommen sind Beiträge, die seine Reflexionen und Stellungnahmen über Literatur aufgreifen. Daher erbitten wir Beiträge, die Bubers poetologischem und ästhetischem Programm nachspüren und die die Relevanz der Ästhetik auch für andere Bereiche seines Denkens aufzeigen.

Die Abstracts sollen ca. 3000 Zeichen inkl. Leerzeichen umfassen. Wünschenswert wäre, dem Abstract kurze biobibliographische Angaben beizufügen. Über Zusendungen von Nachwuchswissenschaftler/innen freuen wir uns insbesondere.

Wir bitten um Einsendung von Abstracts bis zum 31. Juli 2020 und freuen uns auf Ihre Themenvorschläge! Die Publikation des vierten Bandes der Buber-Studien ist für Sommer 2021 vorgesehen.

 

Heike Breitenbach: heike.breitenbach@gmail.com

Johannes Waßmer: jwassmer@let.osaka-u.ac.jp

3 / 71