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Die „Gerechten unter den Völkern“ Yad Vashems

Allee der Gerechten - Yad Vashem

Allee der Gerechten - Yad Vashem
Bildquelle: Dr. Manja Herrmann

Ida Richter, Charlotte Weber, Dr. Manja Herrmann

Ida Richter, Charlotte Weber, Dr. Manja Herrmann
Bildquelle: privat

Das Thema der „Gerechten unter den Völkern“ hat am Selma Stern Zentrum eine besondere Relevanz: Erhard und Charlotte Oewerdieck hatten während des Krieges nicht nur einen jüdischen Büroangestellten beherbergt und die Ausreise der Familie Lachmann finanziert. Die Oewerdiecks trugen auch dazu bei, dass Selma Stern selbst und ihr Mann Eugen Täubler im März 1941 in letzter Minute in die USA emigrieren konnten, für die sie auch einen Teil ihrer Bibliothek und ihrer persönlichen Dokumente aufbewahrten. Für diese Hilfe wurden sie am 21. September 1978 von Yad Vashem als „Gerechte unter den Völkern“ geehrt. 

Die Auszeichnung „Gerechte unter den Völkern“ wird seit 1963 von einer Sonderkommission im Auftrag des Staates Israel an Menschen vergeben, die während der Zeit des Nationalsozialismus Jüdinnen und Juden halfen. Bis heute wurde etwa 26000 Personen aus über 50 Ländern dieser Titel verliehen, davon etwa 600 deutschen Bürgerinnen und Bürgern. Diese Zahlen illustrieren bereits die Komplexität des Themas. Die Auszeichnung kann mittlerweile auf eine fast sechzigjährige Rezeptionsgeschichte zurückblicken. In Israel, Polen, Frankreich und anderen Ländern ist diese Auszeichnung sowohl für die wissenschaftliche Erforschung des Holocaust, als auch für seine Deutung, Darstellung, Erinnerung und Politisierung von großer Bedeutung.

Ziel unserer Forschungsgruppe ist es, die „Gerechten unter den Völkern“ in ihrer Komplexität und vergleichend zu erfassen und sich gegenseitig durch die unterschiedlichen Fragestellungen sowie länderspezifische Besonderheiten zu ergänzen und zu bereichern. Dabei nähern wir uns dem Thema mit verschiedenen Fragestellungen: Da die “Gerechten unter den Völkern” per se eine transnationale Entität darstellen, bietet sich bei der Analyse die transnationale Perspektive an. Das Habilitationsprojekt von Dr. Manja Herrmann widmet sich den transnationalen Verflechtungen der Holocausterinnerung zwischen Deutschland und Israel in Bezug auf die “Gerechten unter den Völkern”. Das Promotionsprojekt von Ida Richter beschäftigt sich mit der Kategorie der Diplomatinnen und Diplomaten, die von Yad Vashem als „Gerechte unter den Völkern“ geehrt wurden. Es wird herausgearbeitet werden, inwiefern ihr Handeln gegen die Weisungen ihrer Regierungen in verschiedenen Kontexten der Erinnerung eine Rolle spielt. Die Doktorarbeit von Charlotte Weber kreist um geschlechtergeschichtliche Fragen hinsichtlich der „Gerechten unter den Völkern“. Dabei wird sowohl der Anerkennungsprozess der Auszeichnung auf geschlechterspezifische Strukturen untersucht, als auch zu Geschlechterbildern und -konzeptionen in der Rezeptionsgeschichte der deutschen „Gerechten unter den Völkern“ geforscht.